Akkuschrauber: Der beste Freund des Handwerkers

Mein Onkel Heinz war ein Tischler und Handwerker, der auf Strom verzichtete, wo es ging. Sogar ein alter Leimofen stand in seiner Werkstatt, in dem Onkel Heinz seinen Holzleim selbst zusammenkochte. Gefürchtet war der Händedruck von Onkel Heinz, den er seinen Besuchern zuverlässig zur Begrüssung und zum Abschied verpasste. Meine Hand verschwand in seiner Pranke, meine Knie gaben nach. Dieser Mann schraubte noch von Hand!

Jenseits mechanischer Haushaltsgeräte aufgewachsene Menschen können abends den Orthopäden aufsuchen, wenn sie einen Tag lang stromlos Schrauben eindrehen mussten. Zum Glück hat der Mensch den Akkuschrauber erfunden. Unsere Handgelenke müssen nicht mehr leiden, es sei denn, wir hätten vergessen, das Gerät abends an die Steckdose anzuschliessen. Oder wir haben uns ein schwachbrüstiges Produkt angeschafft, das vor grösseren Kraftanstrengungen kapituliert. Woran erkennen wir einen guten Akkuschrauber?

Kleine Modellkunde

Wir betreten einen Baumarkt. Wir wissen, was wir brauchen. Und dann verlieren wir uns im Labyrinth der Nomenklatur. Auch beim Akkuschrauber gibt es einen ganzen Wald von Modelltypen. Wir versuchen, ihn kurz zu durchforsten, damit wir das für Ihren Zweck richtige Gerät erwischen. Einfache Akkuschrauber sind für das Schrauben in Holz oder in Dübellöcher gebaut. Wenn Sie zu Hause ein neues Regal zusammenschrauben, ein neues Bild oder eine Garderobe anbringen, ist ein solches Gerät perfekt. Stärkere Akkuschrauber durchdringen auch Metall.

Akku-Bohrschrauber besitzen einen zweiten Gang mit einer höheren Drehzahl. Wenn Sie öfter in Stein oder gar in Beton bohren, brauchen Sie diese Art von Gerät. Stark verdichteter Beton ist allerdings auch für den Bohrschrauber zu hart. Um das kabellose Bohren auch in festen Wänden zu ermöglichen, ist der Akku-Schlagschrauber entwickelt worden. Er besitzt wie die Bohrmaschine ein zuschaltbares Schlagwerk, das den Bohrer oder die Schraube in die Wand hineintreibt.


Der Akku ist das Herz des Akkuschraubers. Je leistungsfähiger er ist, desto besser – und desto teurer fällt das Gerät aus. (Bild: OlegSam / Shutterstock.com)
Der Akku ist das Herz des Akkuschraubers. Je leistungsfähiger er ist, desto besser – und desto teurer fällt das Gerät aus. (Bild: OlegSam / Shutterstock.com)


Die Leistungszentrale: der Akku

Der Akku ist das Herz des Akkuschraubers. Je leistungsfähiger er ist, desto besser – und desto teurer fällt das Gerät aus. Allerdings wird der Schrauber mit erhöhter Kapazität auch schwerer. Wenn Sie also eher zu den Gelegenheits-Handwerkern gehören oder mit dem Akkuschrauber viel über Kopf arbeiten müssen, entscheiden Sie sich lieber für einen Kompromiss zwischen Akkulaufzeit und Gesamtgewicht.

Früher hiess es: Arbeiten Sie mit Ihrem Akku so lange, bis er sich ganz entladen hat. Sie gefährden sonst seine Kapazität. Wenn Sie also keinen zweiten Akku besassen, konnten Sie in der Zwischenzeit den Spaten in die Hand nehmen, sich der Backofenreinigung widmen oder sich sonst wie im Haushalt nützlich machen. Achten Sie beim Akkuschrauber-Kauf auf Lithium-Ionen-Akkus, jene neue Technik, die unabhängig vom Ladestand jederzeit nachgeladen werden kann. So ist Ihr Akkuschrauber jederzeit einsatzbereit.

Das Drehmoment

Das Drehmoment, also die Kraft, mit der ein Akkuschrauber Schrauben eindreht oder Löcher in die Wand bohrt, wird in Newtonmetern (Nm) gemessen. Wenn Sie nur einen Mini-Akkuschrauber benötigen, mit dem Sie kleine feinmotorische Bastelarbeiten durchführen wollen, reicht ein Drehmoment von drei Newtonmetern aus. Auf der Baustelle aber versagen solche zierlichen Geräte. Wenn zum Beispiel lange Holzschrauben eingedreht oder Rigipsplatten an einem Metallgestell befestigt werden müssen, brauchen Sie mindestens 15 Newtonmeter.

Ach, Sie sind Profi? Sie sind es gewohnt, auf Dächern herumzuklettern und Dachstühle mit zwölf Millimeter dicken Schrauben zu fixieren? Oder im Garten einen schweren Sichtschutz anzubringen? Dann brauchen Sie mindestens 30 Newtonmeter Drehmoment. Diese Geräte sind stark wie Herkules und besitzen zur angemessenen Kraftübertragung zwei Gänge. Trotzdem können Sie gefühlvoll mit ihnen arbeiten, denn über den Druckknopf lässt sich die Drehgeschwindigkeit exakt regulieren.

Nützliche Extras

Sie kennen das vom Autokauf: Je mehr Geld Sie ausgeben, desto mehr Extras bekommen Sie. Wie wär’s beim Akkuschrauber zum Beispiel mit einer LED-Lampe, die Ihnen den Arbeitsbereich ausleuchtet? Probieren Sie dieses Hilfslicht vor dem Kauf aus, denn es gibt Modelle, die überall hinstrahlen, nur nicht dorthin, wo Sie arbeiten möchten. Eine Quickstopp-Funktion ist für Vielbenutzer von Akkuschraubern ein nützliches Extra, weil es die Arbeitsvorgänge beschleunigt. Ebenfalls hilfreich ist ein Schnellspannfutter mit automatischer Spindelarretierung. Zum einen lassen sich Bits und Bohrer dadurch einhändig wechseln, zum anderen besitzen sie mehr Halt und Stabilität in dieser Art von Futter.

Ladezeiten und Extra-Akkus

Sie müssen eine Arbeit dringend ausführen, haben aber vergessen, die Leistungszentrale Ihres Akkuschraubers aufzuladen? Kein Problem, wenn Sie einen Schrauber mit Schnellladefunktion besitzen. Konkret gesprochen, ist so ein Gerät binnen 15 Minuten wieder voll einsatzbereit. In der Zwischenzeit können Sie ja schon Ihre Schrauben und Dübel sortieren.

Ein Ersatz-Akku gehört nicht mit zum gewöhnlichen Lieferumfang eines Akkuschraubers. Manche Hersteller gönnen jedoch ihren Geräten ein zweites Herz – ein grosser Vorteil, wenn es mal wirklich schnell gehen soll. Ausserdem werden Sie sich wundern, falls Sie für Ihr Gerät irgendwann einen neuen Akku kaufen wollen, wie teuer diese Energiespeicher sind.

Handarbeit

Nehmen Sie Ihren Akkuschrauber vor dem Kauf in die Hand! Es ist sinnlos, ein superleistungsfähiges Gerät zu kaufen, das durch sein Gewicht Ihren Arm nach kurzer Zeit erschöpft. Der Laie braucht den Schrauber in den allermeisten Fällen in Not- und Umzugszeiten. Stellen Sie sich vor, Sie haben den ganzen Tag Umzugskartons geschleppt. Dann wird Ihnen schlichtweg die Kraft fehlen, mit einem kiloschweren Schraubgerät zu hantieren. So, und jetzt legen Sie den Akku ein und freuen Sie sich, dass der Mensch so etwas erfunden hat.

 

Oberstes Bild: © aerogondo2 – Shutterstock.com

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